Der Trend geht ja bei mir zum Drittjob. So ist das bei uns Sozialleuten. Die, die ich kenne, haben alle mehrere Dinger am laufen, liegt vermutlich an unserer miserablen Bezahlung. Oder weil wir oft Freizeit und Job verwechseln. Ein kleines Helfersyndrom haben wir ja eh alle. Nunja. Da meine zwei bisherigen Jobs zwar wirklich schon sehr anstrengend sind, wollte ich noch eine Kleinigkeit haben, so für in der Woche, zwischendurch, ein paar Stündchen. Da kam mir ja der Aufruf an unserer Unipinnwand entgegen.
"Suche Babysitter für meine Tochter (5) für 2 Std/Woche und flexiblen Einsatz"
Ein Abrisszettelchen mit Nummer war noch da und ich auch sofort angerufen. Sie war erst ganz und gar nicht von mir begeistert, da ich erst im ersten Semester bin und doch recht jung. Geduzt hat sie mich auch direkt. Hab ich ja eigentlich auch nichts gegen, aber nunja. Proffesionell sollte es ja trotzdem ein wenig sein. Beim ersten Telefonat. Als ich ihr aber berichtete, dass ich ein Jahr in einer integrativen Kita gearbeitet hatte, war sie hellauf begeistert, hätte aber noch am folgenden Tag ein Bewerbungsgespräch.
Heute rief sie an. Und wollte alles mögliche wissen. Referenzen, Erfahrungen, vorm Bewerbungsgespräch ein Foto per Email, Studienabsichten. Dass sie mich nicht nach meinem pädagogischen Babysitterkonzept gefragt hat, war auch alles. Typische Ratgebermutti. Typische "Latte-Macchiatto-trinkende-und-Retro-Kinderwagen-fahrende-und-Highheels-staksende-desperate-Housewife-mit-Vorliebe-für-pädagogisch-sinnvolles-Spielzeug-und-Erziehungsvorträgen-mit-den-anderen-trendy-Müttern".
In ihrer Wohnung wimmelt es vermutlich nur von Bestsellernerziehungsratgebern wie "Wie dressiere ich mein Kind zu Höchstleistungen in Mathematik?", "Was will mein Kind mir mit diesem Bild sagen?", "Jedes Kind kann zuhören lernen" oder "Glückliche Kindheit - Alles was das Kind braucht von A-Z". Und alle Staffeln der Supernanny. Und das Begleitbuch.
Erziehen ist nämlich hip. Besonders die Richtige. Erziehung ist wichtig.
Unsere Kinder sind kleine, zauberhafte Röschen, und wir sind die hübschen Gärtnerinnen, die gießen, düngen, veredeln, in Watte packen.
Sie will kein fünfzehnjähriges Mädel aus der Nachbarschaft. Es sollte schon eine Fachkraft sein. Und zu schade, dass ich keine abgeschlossene Ausbildung zur Erzieherin habe.
Ich wollte ein Vorstellungsgespräch, aber nicht heute. Montag geht nicht, da hätte die Kleine turnen. Mittwoch wäre doch ganz gut? Und achja, es wär ihr einfach sehr wichtig, wie ich mit ihrer Tochter agieren würde. Wie die Harmonie zwischen uns wäre. In den zwei Stunden übt sie bestimmt ein neues Hobby aus. Joga. Oder einen Kurs zum Thema "Wie schließt mein Kind neue Freundschaften?". Oder Latte trinken mit den anderen trendy Mamas.
Und dann kam der Satz.
"Und die Bezahlung würde sich so auf 4-5 Euro pro Stunde belaufen. Das ist ja so gang und gebe"
also, ich lach mich kaputt, besonders über den letzten satz, da überlege ich doch, ob ich mich auch mal da bewerben soll, bin doch als logopädin auch "fachkraft" und kann ganz nebenbei, noch die spachliche ausdrucksfähigkeit fördern, dass gefällt doch bestimmt oder?
AntwortenLöschenDein Kusinchen
Habe den Artikel auch gelesen und überlegt ob ich mich melden sollte!
AntwortenLöschenAber da lasse ich dir doch den Vortritt ;)
Schön, was sich diese Eltern immer vorstellen!
Da ist sie ja nicht die einzige!