Ein Blog über das Leben. Wie es ist, wie es war, wie es sein sollte. So subjektiv, dass es wieder objektiv ist. Eine einzige Lüge, die doch die Wahrheit ist. Zwischen den verrücktesten Teesorten und den lieblosesten Orten.


„Beim Schreiben ist es wie bei der Prostitution. Zuerst macht man es aus Liebe, dann für ein paar Freunde und schließlich für Geld.“
Jean-Baptiste Poquelin

Montag, 17. Januar 2011

Willst du die Wahrheit hören oder etwas Schönes?

Die Wahrheit ist eine miese Sache. Wir wollen sie von jedem über alles hören. Wir schreiben Ehrlichkeit groß. Aber wenn es dann ums Eingemachte geht, dann ist die Wahrheit gar nicht mehr so unser Ding. Ich meine jetzt nicht, unsere Wahrheit mitzuteilen. Obwohl das auch immer schwer ist. Ich spreche eher darüber, wenn wir die Wahrheit erfahren. Dann wollen wir sie gar nicht mehr hören. Dann wünschen wir uns Lügen und Zweideutiges und irgendwas, in das wir etwas reininterpretieren können. Weil wir doch alle eigentlich kleine oder große Träumer sind. Und wir wollen uns alles offen halten. So eine Wahrheit kann ja schon recht einschränkend sein. Wir haben nicht mehr so viel Überdenkungsmöglichkeiten, es steht ja eigentlich fest. Und meistens tut sie uns auch irgendwie weh. Wir sind enttäuscht. Und meistens sind wir dann enttäuscht von uns selbst. Warum habe ich das nicht erkannt? Und ist das wirklich mein Leben, was ich doch so ganz anders gesehen habe? Warum ist es nicht so, wie ich dachte? Wahrheiten sind wie abgelaufene Joghurts, sie bereiten uns Bauchschmerzen und bringen uns zum kotzen,  und von zu vielen können wir tatsächlich einen bleibenden Schaden erhalten. Wenn wir ganz ehrlich sind - auf die Wahrheit können wir doch alle getrost verzichten!

Bin ich daher für ein Leben voller Lügen? In meinen Dailysoaps find ich das ja immer sehr spannend - im wirklichen Leben doch nicht so prickelnd. Wahrheiten können uns zwar enttäuschen, traurig und wütend machen - aber wir nehmen sie hin, wir nehmen sie an, wir leben sie. Sie zeigen neue Perspektiven. Lügen dagegen zerstören, stigmatisieren und schaffen eine heile Welt, von der wir wissen, dass es sie so gar nicht gibt. Und das ist die Wahrheit.

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