Mir gehts wieder gut. Innerlich. Manchmal ist es ganz gut, nicht zu reden und einfach dort weiter zu machen, wo man aufgehört hat. Und es funktioniert und macht glücklich. Trotzdem mime ich derzeit den sterbenden Schwan mit sehr großem Erfolg. Mich plagen allerlei körperliche Leiden (Kopfschmerzen, erhöhte Temperatur, Halsschmerzen, Gliederschmerzen, Schlappheit, Schluckbeschwerden, Rückenschmerzen, Husten etc). Die flinke Schwesternhelferin von heute diagnosfiziert sich selbst und verabreicht sich auch ein paar Medikamente, gemösert, schlucken ist im Moment nicht mein Ding. Zudem habe ich mir Apfelsinen und ausdrückliche Bettruhe und Jammern ohne Ende verschrieben. Heute gehts mir schon um einiges besser. Was aber auch daran liegen könnte, dass mir gestern ein Engel begegnet ist. Er hatte rote, lange Haare und wohnt direkt gegenüber.
Meine liebe Nachbarin. Wer selbst nicht viel hat, der gibt wohl am meisten ab. Und so stand sie da gestern vor meiner Tür, mit einem Korb voller Leckereien für ihre "Lieblingsstudentin", wo sie alles rein gelegt hatte, was sie selbst nicht braucht. Nudeln, frisches Obst, sogar ein Paket Nesquick und ein paar heißgeliebte Milkamuffins. Sie war vorher bei der Tafel. Ich hab mich sehr gefreut darüber.
Bitte, Miriam nimmt das auch noch an? Die Frau ist anscheinend total bedürftig, und ich nehme ihr auch noch was zu Essen weg? Ja. Weil ich weiß, dass ich sie sonst mehr kränken würde als jeder Besuch beim Arbeitsamt oder das Warten bei der Tafel. Sie ist eine sehr stolze Frau. Und sie sorgt sich um ihre Mitmenschen. Sie ist ein Engel. Und Engel brauchen keine goldenen Flügel, um andere Menschen zum lächeln zu bringen.
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