Es war schon immer so, dass ich mich beim Schreiben viel besser ausdrücken kann, als beim reden. Darum schreib ich dir einen Brief. Ich geb ihn dir nicht, dazu sind nicht die passenden Gegebenheiten da. Ich schreib ihn und steck ihn in mein Krimskramskästchen, weil ich dann irgendwann, wenn wir ganz alt und runzlig sind und uns ein Zimmer in unserem eigenen Altenheim teilen, dir diesen Brief zeigen kann. Und ich hoffe sehr, dass wir lachen werden. Aber noch mehr hoffe ich, dass wir uns auch ein Zimmer teilen, egal in welchem Heim.
Ich weiß nicht wo ich anfangen soll. Ja. Die frühe Kindheit. Ich brauche keine entwicklungspsychologischen Theorien aufzufahren. Du weißt mein Problem jetzt. Ich sabortiere Beziehungen. Unterbewusst. Und nein, ich bin kein intrigantes Miststück. Ich sabortiere die Beziehungen, die meine eigenen sind und die mir viel bedeuten. Ich sabortiere sie in dem Moment, wo alles am schönsten ist. Nicht nur am schönsten scheint. Wirklich am schönsten ist. Irgendwelche Hormone setzt mein Gehirn dann frei und dann gehts so schnell. Ich beleidige, beschuldige, weine. Und zerstöre. Suche die Suppe im Haar. Obwohl du doch die Nadel im Heuhaufen bist. Für mich. Warst. Bist. Wirst. Ich weiß es ja selbst nicht. Ich mache das auf so eine seltsame Art. Nur weil ich ein Problem habe, mir selbst einzugestehen, dass ich jemandem mehr vertrauen kann als mir selbst. Und wenn ich mir das eingestehe, passiert das Unabwindbare. Ich male mir in den dunkelsten Farben aus, was passiert, wenn dieses Vertrauen nicht mehr da ist. Und du weg bist. Und ich allein. Und der Heuhaufen zum Scherbenhaufen wird. Und dann beginnt es mir leid zu tun. Und ich entschuldige mich.
Und du reagierst nicht. Du weißt, dass es am besten ist, mir an diesen Tagen aus den Weg zu gehen und du weißt wie sehr ich dabei leide, aber auch wie wichtig das für mich ist. Damit ich wieder auf der Erde ankomme. Wenn ich festen Boden unter den Füßen spüre, bist du auch wieder da. Weil dann brauch ich dein Lachen, um auch sicher stehen zu können. Wie gut du mich kennst.
Das macht mir Angst, aber mehr macht es mich glücklich. Du bist gerade sehr sauer auf mich und lässt mich schmoren, nur ich weiß, wenn du irgendwann noch mal auf die vergangenen Tage anspielst, dann mit einem verschmitzten Grinsen. So wie immer. Ich hoffe es zumindest.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen