Ein Blog über das Leben. Wie es ist, wie es war, wie es sein sollte. So subjektiv, dass es wieder objektiv ist. Eine einzige Lüge, die doch die Wahrheit ist. Zwischen den verrücktesten Teesorten und den lieblosesten Orten.


„Beim Schreiben ist es wie bei der Prostitution. Zuerst macht man es aus Liebe, dann für ein paar Freunde und schließlich für Geld.“
Jean-Baptiste Poquelin

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Geborgenheit.

3.
Heute gibt es etwas aus fremder Feder. Ein wundervolles Zitat aus einem wundervollen Buch einer wundervollen Autorin. Ildiko von Kürthy schreibt Geschichten, in denen sich jede Frau irgendwo so sehr wiederfindet, dass sie aus dem Nachdenken nicht raus kommt, und in dem jeder Mann oder die Spezies, die sich dazu zählt, einen Einblick in die Gedanken einer Frau bekommt. Ganz unverschämt und unzensiert - aber wahrheitsgetreuer als manche Dailysoap oder Sitcom.

"Was für ein schönes Gefühl:  
Du schließt leise, um ihn nicht zu wecken, die Haustür auf.
Schleichst auf Seidenstrümpfen ins Bad
zum Zähneputzen und Abschminken.
Deine Haare, dein Kleid riechen nach Zigarettenrauch,
du hast Wein getrunken, hast ein wenig geflirtet
und zusammen mit deiner besten Freundin so getan,
als wärt ihr siebzehn, unstillbar neugierig auf fremde Küsse.
Hast blonde Männer etwas länger angesehen als nötig
und gekichert wie ein Teenager,
weil sie dir einen Drink ausgegeben haben.
Du hast ein Spiel gespielt, das du nicht verlieren konntest,
hast so getan, als seist du auf der Suche,
obwohl du deinen Schatz längst gefunden hast.
Hast Männern zweideutige Lächeln geschenkt.
Hast viele beeindruckt, weil du niemanden beeindrucken musstest.
Und dann kommst du nach Hause,
an einem späten Abend, an dem vieles möglich gewesen wäre,
ziehst deinen Schlafanzug an, der nach Lenor riecht.
Gehst barfuß leise ins Schlafzimmer.
Kriechst unter deine Bettdecke.
Er hat sie für dich aufgeschüttelt.
Und dann hältst du den Atem an,
um seinen Atem zu hören.
Seinen Schlaf-Atem. Regelmäßig und tief.
Hin und wieder mit einer sanften Schnarchbeimischung,
die um diese Zeit dein Herz so rührt,
dass dir Tränen in die Augen steigen im dunklen Zimmer.
Und dann raschelst du laut mit der Bettdecke,
hustest ein bisschen,
und schiebst deinen Fuß rüber auf seine Seite,
um ihn heftig, aber gerade noch sanft genug gegen die Wade zu treten,
um nachher behaupten zu können,
du hättest dich lediglich im Schlaf bewegt.
Weil, wenn er dann halbwegs aufwacht,
geschieht das Wunderbare:
Dann tastet er nach dir, zieht dich an sich,
auf seine Seite, in seine Arme,
an seine Brust, die der schönste Ort der Welt ist,
grunzt irgendetwas Unverständliches,
was nichts zur Sache tut,
aber sehr, sehr freundlich klingt,
und legt seine Wange in die kleine, stets warme,
stets duftende Vertiefung zwischen
deinem Hals und deiner Schulter
und schläft wieder ein.
Und du fühlst dich zu Hause
und geborgen vor allem Übel,
getröstet von allem Kummer,
befreit von allen Sorgen.
Es gibt nichts Besseres als Liebe. Das ist so."

(Auszug aus Ildiko von Kürty "Herzsprung", erschienen im Wunderlichverlag)

Anm.: Ich besitze natürlich keinerlei Urheberrechte an diesem Auszug.

Dieses wundervolle Lied habe ich gestern auf dem Blog von "We are dreamdancer" gefunden. Ein bisschen Gänsehaut für den 3. Dezember. Kuschelt euch tief in eure Decken und macht euch nen Tee, das kann besser sein, als die wildeste Partynacht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen