Es gibt Leute, die hören immer Musik. Egal was. In Geschäften läuft permanent das Radio. Manche kochen zu ihrer Windows-Media-Playlist. Oder bügeln. Ich dusche zur Musik, um unter der Dusche tanzen zu können. Hauptsache irgendwas kreischt im Hintergrund. Ist ja gesellig. Bei mir ist das eigentlich anders. Ich hab keine Playlist. Ich hör Musik nicht einfach so. Musik muss mich bewegen. Musik muss nach Gefühlen klingen, nach Menschen, die ich liebe, nach Situationen. Sie muss mich runterbringen, motivieren, mich zum lachen, tanzen, schreien, heulen bringen. In mir Erinnerungen wachrufen, neue Erkenntnisse zeigen, mir Spaß machen, mir den Kopf frei machen für das Wesentliche. Ich mag keine Alben, das einzelne Lied im richtigen Moment zählt. Ich mag kein besonderes Genre, ich mag nur das einzelne Lied rausgerissen aus seinem ganzen Umfeld. Und da kann das Schlimmste bei raus kommen. Darum sagen viele, mein Musikgeschmack ist grausig. Das ist falsch. Ich hab einfach keinen Musikgeschmack, da kann gar nix grausig sein. Ich orientiere mich nicht an Genren. Ich esse ja auch von einer Torte nicht nur die Marzipanschicht, dann weiß ich doch gar nicht, wie mir der Boden schmeckt. Vielleicht reagier ich ja auf den allergisch, vielleicht aber ist er ein ganz neuer oraler Orgasmus. Ein Lied muss mich bewegen oder mich zum bewegen bringen. Dann höre ich das Lied in der Endlosschleife.
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