Ein Blog über das Leben. Wie es ist, wie es war, wie es sein sollte. So subjektiv, dass es wieder objektiv ist. Eine einzige Lüge, die doch die Wahrheit ist. Zwischen den verrücktesten Teesorten und den lieblosesten Orten.
„Beim Schreiben ist es wie bei der Prostitution. Zuerst macht man es aus Liebe, dann für ein paar Freunde und schließlich für Geld.“
Jean-Baptiste Poquelin
„Beim Schreiben ist es wie bei der Prostitution. Zuerst macht man es aus Liebe, dann für ein paar Freunde und schließlich für Geld.“
Jean-Baptiste Poquelin
Dienstag, 15. Februar 2011
Von Glückshosen, Dorfjugenden, Hochzeiten und dem Gefühl von Zuhaus.
Samstag nacht, kurz vor 12. Ich stapfe in neuen Schuhen und meiner wahnsinnigen neuen Hose aufs Festzelt zu. Es ist Jahre her, dass ich das letzte Mal auf einer Dorffete war. Und es fühlt sich komisch an, ganz fremd und dann wieder vertraut. Aber ich muss, denn du hast heute dort ein Konzert. Ich gehe rein, und stehe dort mit meinem Mantel im Arm allein an einem Stehtisch, ich kenn kein Schwein, mir egal, bin ja wegen dir da. Eigentlich bin ich grad ziemlich sauer auf dich. Am liebsten würde ich dich von der Bühne prügeln. Nur heute ist es ein bisschen anders als sonst. Nach der achten Zugabe kommst du von der Bühne, unsere Blicke finden sich im Getümmel, und um so näher du kommst, umso mehr färbt dein Adrenalin, dein Glück, deine Euphorie auf mich ab. Du strahlst. Ich strahle. Alles ist ok und wir lachen über diese kleinen Missverständnisse, die bei uns an der Tagesordnung stehen. Du musst jetzt abbauen, ich will unbedingt tanzen. Und ich tanze. Ich tanze auf diesem Zeltboden, meine neuen Schuhe kleben auf dem biergetränkten Holzparkett und ich fühle mich in dieser Hose so klasse, weil es doch schon ein Wunder ist, dass ich wieder in so eine Hose herein passe. Ich tanze. Es ist wie früher. Als wir jedes Wochenende auf so vielen Hochzeiten und Holzparketten getanzt haben, zu "Liquido" auf und ab gesprungen sind, als wir an irgendwelchen Cocktailbars uns dort hemmungslos betrunken waren, als die Klamotten nach Rauch und abgestandenem Bier rochen, man nur seine älteste Jacke mitnahm, um das Anstehen an der Gadarobe zu vermeiden und diese einfach in eine Ecke warf und auch nicht die schicksten Schuhe trug, da diese nachher eh aussahen, als wären wir durch sämltiche Felder gestampft wären als graziel abzutanzen. Ich tanze also und ziehe genüßlich an meiner Zigarette. Die landet plötzlich auf dem Boden. Ich schaue hoch. Und da steht er. Im Sommer hat er mich mal nach Hause gefahren, und am nächsten Tag mit mir eine Cola getrunken. So eine richtige Coke aus den kleinen Glasflaschen mit Kronkorkenverschluss. Mit ganz viel Kohlensäure. Und nicht nur die Cola war prickelnd. Ich war fest davon überzeugt, dass ich genau diesen Mann mal heiraten werde, ganz zur Unterhaltung meiner Freundinnen. Und hab ihn nie wieder gesehen. Und jetzt steht er vor mir und fängt an mit mir zu tanzen. Das muss einfach an dieser Wahnsinnshose liegen. Und er zieht sich an mich ran. Und dann. Dann stellt er sich vor und fragt mich nach meinem Namen. Er hat mich vergessen in dem halben Jahr. Etwas später sitze ich dann wieder mit dir in meinem Auto und fahr dich nach Haus. Und ich weiß, hier bin ich vorläufig doch am besten aufgehoben. Und auch irgendwie zuhaus.
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