Ein Blog über das Leben. Wie es ist, wie es war, wie es sein sollte. So subjektiv, dass es wieder objektiv ist. Eine einzige Lüge, die doch die Wahrheit ist. Zwischen den verrücktesten Teesorten und den lieblosesten Orten.


„Beim Schreiben ist es wie bei der Prostitution. Zuerst macht man es aus Liebe, dann für ein paar Freunde und schließlich für Geld.“
Jean-Baptiste Poquelin

Mittwoch, 23. Februar 2011

Und manchmal da bin ich ein Moor.

Oh schaurig ists übers Moor zu gehn,
Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
Sich wie Phantome die Dünste drehn
Und die Ranke häkelt am Strauche,
Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
Wenn aus der Spalte es zischt und singt,
O schaurig ists übers Moor zu gehn,
Wenn das Röhricht knistert im Hauche!
(Anette von Droste Hülshoff)

Schon mal durch eine Moorlandschaft gewandert? Ich habs heute getan, mit den ganzen bunten Waldorfkindern. Ich war noch nie im Moor. Und ich hatte auch immer die Vorstellung, dass es dort sehr sehr gruselig ist. Es ist nicht gruselig dort. Das Moor war gefroren, ich hörte kein Zischen, kein Knacken, kein Schmatzen. Wenn ich die Schritte der Kinder ausblendete, hörte ich nichts. Es war auch nicht dunkel. Es war ganz hell, die Sonne schien. Aber ich verspürte in diesem Moor ein Gefühl von absoluter Einsamkeit. Ich wollte mich am liebsten von der Gruppe abseilen, ganz allein mich von diesem Gefühl ins Moor ziehen lassen. Nur meine Füße über den Steg laufen hören. Nur diese langweilige, eintönige Landschaft um mich alleine herum. Grau, Schwarz, Beige. Nichts anderes. Vielleicht noch das Eis. Mich ganz in dieser Einsamkeit, diesem kleinem Tod, verlieren.
Manchmal genieße ich das alleine sein sehr. Meistens immer. Ich war mal ein Mensch, der immer jemanden um sich herum braucht. Jetzt brauche ich manchmal nur mich und alles andere ist mir zu viel. Dann bin ich auch ganz tot. Und langweilig. Und es ist auch oft so kalt wie am Moor. Aber danach, und nur danach kann ich wieder lebendig, aufregend und warm sein.

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